Die Macht der Stimme

Neulich hatte ich einen kleinen Diskurs zum Thema „Die Macht
der Stimme nutzen“. Dabei wurde gesagt, dass die Stimme nicht als Macht,
sondern mit Freude und als Mittel eingesetzt werden sollte.

Dabei bedeutet für mich das Wort „Macht“, genau das –
Freude, Spaß, Energie und ein Mittel Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit
auszudrücken. Macht zu haben, oder noch schöner, machtvoll zu sein hat für mich
etwas mit Selbstbestimmung und persönlicher Entfaltung zu tun. Denn was wäre denn
das Gegenteil – Ohnmacht. Und Ohnmacht verbinde ich mit Hilflosigkeit,
Passivität und Starre. Dies sind für mich nur wenig erfolgversprechende
Zustände.

Ich verstehe demnach Macht als etwas Persönliches. Und zwar
indem man machtvoll mit seinen eigenen Kompetenzen und seinem Handeln umgeht.

Natürlich kann man Macht auch negativ konnotieren im Sinne
von Machtmissbrauch. Dies geschieht vor allem dann, wenn es nicht um die Macht
über uns selbst geht, sondern um die Macht über andere. Das entspricht dann genau
dem Gegenteil meines Verständnisses. Denn, wenn wir Macht über andere haben,
haben diese uns gegenüber gleichzeitig Ohnmacht.

Aber ist die Stimme wirklich eine „Macht“. Ich wäre keine
Stimmtrainerin geworden, wenn ich es verneinen würde. In meiner Arbeit lerne
ich die unterschiedlichsten Menschen und Charaktere kennen und bin immer wieder
davon fasziniert, wie die Arbeit an der Stimme, am Sprechen und am Körper mit
der Persönlichkeitsentfaltung zusammenhängt. Dabei ist ent-falten ein sehr
schönes Wort, denn wir „entfalten“ unsere Kompetenzen, unserer Person. Wir
bügeln die Falten aus, die in unserer weißen Weste der Selbstgestaltung waren.

Man könnte auch sagen, die Stimme ist unsere akustische
Visitenkarte. In Verbindung mit Körpersprache ist sie, gepaart mit unserem
Sprechverhalten, maßgeblich an unserem erfolgreichen Auftreten beteiligt – ein
machtvolles Instrument also, welches wir alle, oder zumindest die meisten von
uns, besitzen, aber leider nicht ausreichend einsetzen, ja sogar durch falschen
Einsatz verletzen oder verkümmern lassen. Bis hin zu Stimmen, die alles andere
als tragbar sind. Die unangenehm im Ohr reiben und ganz und gar nicht zum
Zuhören einladen.

Fragen Sie sich manchmal, warum Ihnen irgendwie keiner
zuhört, warum die Leute wegschauen, wenn Sie sprechen? Stellen Sie fest, dass
Ihre Vorschläge nicht zählen und wenn Sie ein anderer macht, diese plötzlich
„Gehör“ finden? Haben Sie das Gefühl, Ihr Gegenüber versteht immer nur die
Hälfte von dem was Sie sagen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Ursache im Klang und
der Lautstärke Ihrer Stimme liegt oder in der zu undeutlichen Aussprache oder
gar im zu schnellen oder zu langsamen Sprechtempo.