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Stimmts - oder - Stimmts net?

Identifikation und Dialekt

Arbeit mit Studenten Posted on Thu, November 10, 2016 12:17:38

Identifikation und Dialekt

Vor ein paar Wochen habe ich wieder einen neuen Jahrgang in
Zwickau übernommen, dem ich die Stimmbildung näherbringen darf. In der Stadt
mit knapp 100.000 Einwohnern wird ein sehr außergewöhnlicher Studiengang
angeboten, der Studenten aus ganz Deutschland anzieht. Erst seit reichlich zehn
Jahren werden dort Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet. Für mich birgt dieser
Berufszweig ein vollkommen neues Klientel. Ich muss zugeben, dass ich mich
vorher nicht mit Gehörlosen beschäftigt habe, geschweige denn mit
Gebärdensprache.

In den ersten Stunden des Unterrichts bekommen die Studenten
meist von mir ein Expertenfeedback, sodass sie ihren Ist-Zustand einschätzen
können. Für die meisten ist das nicht selten der erste Moment, in dem sie sich
überhaupt mit ihrer Stimme und ihrem Sprechen auseinandersetzen. Aufgrund der
Seltenheit des Studienganges bilden die Studenten einen bunten Strauß aus allen
Regionen Deutschlands inklusive deren Dialekten.

Die Frage nach dem Dialekt wurde mir schon das ein oder
andere Mal in meinem Berufsleben gestellt, aber in Zwickau drängte Sie sich
immer wieder in unsere Auswertung. Ist denn ein Dialekt negativ zu werten? Und
wenn ja, muss ich ihn mir abgewöhnen? Bin ich dann überhaupt noch ich?

Zunächst einmal – ein Dialekt ist überhaupt nicht negativ.
Er ist einfach nur wahrnehmbar. Unsere heutige Standardsprache war früher auch
ein Dialekt, der irgendwann einfach als Standard festgelegt wurde und sich
offiziell durchgesetzt hat.

Fakt ist jedoch, dass ein Dialekt immer eine Wirkung bei
unserem Gegenüber erzeugt, je nachdem welche Erfahrung mit diesem Dialekt
gemacht wurde und wie unsere Gesellschaft diesen Dialekt anerkennt und
bewertet. Im Allgemeinen wirkt beispielsweise der sächsische Dialekt etwas
ungebildet und der bayrische oft niedlich und zünftig. Manchmal kann ein
Dialekt auch so stark sein, dass der Inhalt nicht mehr zu verstehen ist.

Letztendlich sage ich immer zu meinen Studenten, dass ich es
ihnen vollkommen freistelle, ob sie das Standarddeutsch lernen wollen oder
nicht. Ich benutze hier ganz bewusst das Verb lernen und spreche nicht davon,
sich den Dialekt abzugewöhnen, denn dieser kann in der Heimat durchaus wichtig
sein. Er verstärkt das Gemeinschaftsgefühl und weckt Vertrauen bei Denjenigen,
die ihn teilen. Ziel ist es also nicht, den Dialekt abzugewöhnen, sondern in
bestimmten Situationen auf eine Hochlautung „umschalten“ zu können. Es ist
schließlich so, dass eine korrekte Standardaussprache unsere positive Wirkung
beim Gegenüber verstärkt. Wir wirken kompetenter, souveräner und sind beruflich
vielfältiger einsetzbar.

Nun zu der letzten Frage. Bin ich dann noch ich, wenn ich
plötzlich Standard spreche?

Da ich selbst ein starker Dialektsprecher war, kann ich
dieses Dilemma gut nachvollziehen. In der ersten Phase des Umlernens fühlt man
sich wie ein Fremder. Man hat sich jahrelang mit seinem Sprechen identifiziert
und jetzt soll man plötzlich sprechen, wie die „feinen Leute“. Noch schlimmer,
als die eigene Irritation, kann die der anderen sein. Plötzlich fragen uns
unsere langjährigen Bekannten und Freunde, warum wir auf einmal so vornehm und
bedacht sprechen und was denn bei uns nicht mehr stimme. Das kann dazu führen,
dass wir uns nicht mehr authentisch fühlen und uns sagen „Das bin nicht ich,
das fühlt sich künstlich und ungewohnt an“. Aber was bedeutet denn das „ich
sein“, das „gewohnt sein“? Wir sind das, was wir jeden Tag gewohnt sind zu tun.
Wir sind eine Kette von Angewohnheiten und da wir sie jeden Tag tun, sind sie
uns vertraut. Wir identifizieren uns damit. Ist es dann nicht so, dass man
einfach ein neues Verhalten in seinen Alltag integrieren und es zur Gewohnheit
machen kann? Wir haben viel mehr Fähigkeiten als wir glauben. Neues in den
Alltag zu integrieren bedeutet lediglich etwas Stress, denn unser Organismus ist
von Natur aus sparsam. Neue Prozesse kosten erst einmal Energie und sind
unbequem. Sie sind uns aber nur so lange unbequem, bis wir sie in unseren Alltag
integriert und uns zu Eigen gemacht haben.

Wenn wir uns erfolgreiche Menschen anschauen, dann können
wir beobachten, dass diese ein Stück weit unnormal – im Sinne von besonders –
sind. Sie haben die Fähigkeit, schnell auf neue Situationen zu reagieren und
die nötigen Prozesse in Gang zu setzen, die es braucht, um weiter zu wachsen.
Vera Birkenbihl sagte sehr treffend: „Wir sind mit einem Potenzial auf die Welt
gekommen, dann gingen wir durch einen Prozess, der sich da nennt Erziehung und
dann hat man uns normal gemacht.“.

Einerseits wollen wir normal sein, wir wollen dazu gehören,
Teil einer Gruppe sein. Denn unnormal heißt auch anders und fremd zu sein und
das macht uns Angst. Aber um erfolgreich – und ich würde sogar so weit gehen,
zu sagen: um glücklich zu sein, sollten wir den Mut haben, anders zu sein und
Dinge anders zu tun, als es die Meisten tun. Auch wenn das bedeutet, dass unser
Umfeld uns plötzlich als unnormal empfindet und uns darauf stößt, dass wir gar
nicht mehr wir sind. Im besten Fall können wir dann sagen: „Ja stimmt, ich habe
mich verbessert und entwickelt“. Denn, was bedeutet eigentlich Entwicklung? Wir
haben uns ent-wickelt – nämlich uns von unseren Fesseln, Verstrickungen und
Grenzen befreit.

Warum ist dann eine Veränderung – egal welcher Art und auch
wenn sie für uns positiv ist – so unbequem für uns und andere? – weil wir
plötzlich mit Neuem konfrontiert sind und noch keine Strategie gefunden haben
damit umzugehen. Und das stresst uns. Veränderungen sind aber notwendig um zu
wachsen. Denn ohne etwas zu verändern bleiben wir immer nur der, der wir schon
sind. Das widerstrebt unserer Natur. Schließlich will alles in unserer Umwelt
wachsen. Pflanzen werden größer, stärker, robuster. Familien wachsen. Und auch
wenn wir körperlich ausgewachsen sind heißt das nicht, dass wir nicht mental
wachsen können.

Oft gratulieren uns die Menschen zum Geburtstag mit den
Worten „Bleib so wie du bist“. Aber ist das wirklich gut? Heißt das dann nicht,
dass wir stehen bleiben und nächstes Jahr genauso weit gekommen sind wie die
Jahre davor, nämlich nicht voran? Wenn ich solche Wünsche bekomme, dann füge
ich leise für mich hinzu: „Ich hoffe nicht.“ Ich hoffe nämlich, ich weiß
nächstes Jahr mehr und habe mich weiter ent-wickelt.

Ein gewisses Maß an Anstrengung ist immer notwendig um zu
wachsen und stärker zu werden. Auch ein Küken kann nicht ohne Kraftanstrengung
aus seinem Ei schlüpfen und in die nächste Phase seines Lebens übergehen.
Genauso brauchen wir manchmal ein Stück Überwindung, Kraft und Ausdauer, bevor
wir wachsen können.

Also überlegen Sie sich das nächste Mal ganz ehrlich, wenn
in Ihnen die Frage auftaucht „Bin das wirklich ich?“ dass dieses andere,
fremde, neue Ich, was Sie mit ein wenig Mühe sein könnten, besser ist als Ihr
altes Ich. Und vielleicht lohnt sich der Stress, das neue Ich in Ihr Leben zu
integrieren.



Kritik und Feedback

Arbeit mit Studenten Posted on Wed, April 27, 2016 11:02:06

Umgang mit Feedback und Kritik

Ein kleiner Igel hat sich auf einer Kuhweide verirrt. Er ist
den ganzen Tag auf der Suche nach Nahrung gewesen und findet jetzt nicht mehr
zu seinem warmen Bau zurück. Nach einem schier endlosen hin und her Wandern
bleibt er schließlich erschöpft reglos liegen. Als er schon dachte, jetzt kann
es nicht mehr schlimmer werden, kommt eine Kuh und entleert sich direkt über
dem Igel, sodass er gänzlich von einem Kuhfladen bedeckt wird. Vollkommen
entkräftet schläft der Igel ein. Was er nicht weiß: In der Nacht gibt es einen
Wintereinbruch und die Temperaturen fallen in die Minusgrade. Normalerweise
würde der Igel erfrieren, aber eingehüllt in den Kuhhaufen übersteht er die
Nacht geschützt. Am nächsten Morgen hat er genug neue Kräfte gesammelt, um sich
weiter auf die Suche nach seinem Bau zu machen.

Diese vielleicht etwas naive Geschichte hörte ich einmal auf
einem Seminar zum Thema Umgang mit Kritik. Sie soll uns auf eine bildliche
Weise verdeutlichen, dass es nicht jeder schlecht mit uns meint, der uns mit
Scheiße bewirft. Im Gegenteil: Oft ist Kritik nur ein verschlüsseltes Lob, denn
der Kritisierende will etwas in bzw. an uns verändern. Er macht sich den
Aufwand, uns eine Reflexion seines Eindruckes zu vermitteln. Vielleicht kennen
Sie auch den Ausdruck – einen toten Hund tritt man nicht. Man kritisiert nur
Menschen, bei denen man Hoffnungen hat, dass sie etwas an sich verändern
können. Natürlich ist nicht immer jede Kritik gerechtfertigt und in jedem Falle
höchst subjektiv, denn kein Mensch kann beanspruchen, die Welt objektiv
wahrzunehmen.

Aber Kritik kann auch sehr wertvoll sein. Sie kann uns
wachsen lassen und im “schlechtesten” Falle dazu veranlassen, einen
neuen Weg einzuschlagen. Ich stelle bei meinen Studenten fest, dass sie
manchmal große Angst vor meiner Stimmanalyse haben. Immerhin könnte ich Ihnen
sagen, dass sie für ihren Beruf ungeeignet sind. Aber ist das nicht auch ein
großes Glück? Ist es nicht besser zu wissen, woran man ist, als am Ende des
Studiums festzustellen, dass man fünf Jahre lang einen Weg eingeschlagen hat,
für den man nicht geeignet ist? Natürlich ist dies das Horrorszenario eines
jeden Lehramtsstudenten und meistens tritt es gar nicht ein. Jedoch spüre ich,
dass viele Studenten mit Angst im Studium leben, Angst nicht alles richtig zu
machen, Angst Fehler zu machen, Angst vor Feedback und Kritik.

Vor einer Woche war ich als Co-Trainerin auf einem
Führungskräfteseminar zum Thema Stimme. Der Umgang mit Kritik – oder nennen wir
es besser Feedback – hat mich unglaublich fasziniert. Ich zweifelte, ob ich als
junge Berufseinsteigerin einem Firmenchef mit 30 Jahren Berufserfahrung
sinnvoll kritisieren kann. Doch erstaunlicherweise bekam ich für jede
Rückmeldung, die ich dem Teilnehmer gab, große Dankeshymnen. Ich spürte einen
regelrechten Hunger nach Feedback. Ein Teilnehmer sagte mir dann: “Wenn
man ganz oben in der Führungsebene arbeitet, dann hat man niemanden mehr, der
sich traut ehrliches Feedback zu geben. Aber wir machen auch nicht immer alles
richtig und deswegen bin ich für jedes ehrliche Feedback unsagbar dankbar.”

Fakt ist, dass wir durch Fehler das Meiste lernen. Wenn wir
immer alles richtig machen würden, dann verlören wir unsere Aufmerksamkeit,
würden nachlässig werden. Auch unsere kreative Schöpferkraft würde nachlassen,
wenn alles tadellos liefe. Denn Not macht ja schließlich erfinderisch.

Trotzdem ist es für viele unangenehm, kritisiert zu werden.
Wie können wir also besser mit Kritik umgehen?

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig zu hinterfragen, von
wem man kritisiert wird. Oft trifft uns die Kritik von Menschen, die uns sehr
nahe stehen, oder von denen wir viel halten, am härtesten. Manchmal ist es aber
auch möglich, dass die Kritik gar nicht einem selbst gilt, sondern dass es ein
verstecktes Bedürfnis des Gegenübers ist. Das betrifft meistens Auseinandersetzungen
in der Familie oder der Partnerschaft. Dabei sollte man sich immer fragen –
Habe ich jetzt wirklich etwas falsch gemacht oder spricht da eine persönliche
Befindlichkeit meines Kritikers? In welcher Stimmung wird die Kritik geäußert.
Ist mein Kritiker vielleicht gerade nur gestresst, emotional oder beleidigt?

Schauen Sie, wie sachlich die Kritik ist. Und nehmen Sie sie
auch genauso. Es geht um die Sache, eine Eigenschaft oder Handlung – nicht um
Sie als Person. Es geht darum etwas ins Positive zu verwandeln und Sie nicht
als Person zu verdammen.

Bedenken Sie auch stets, dass Kritik immer subjektiv ist.
Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr Gegenüber eine sehr spezielle Wahrnehmung
hat, dann holen Sie ruhig eine weitere Meinung ein.

Wichtig erscheint mir auch für sehr impulsive Menschen,
nicht sofort auf das Feedback zu reagieren. Es kann helfen, nicht direkt in die
Konfrontation zu gehen, sondern “etwas Gras über die Sache wachsen zu
lassen”. Je nachdem, wie es die Situation hergibt. Nach ein paar Tagen
kann das Ganze vermutlich gelassener gesehen und vielleicht auch das Gute an
der Rückmeldung erkannt werden.

Im worst case hilft oft die Situation aus einem anderen
Blickwinkel zu betrachten, bzw. sich vorzustellen, wie man in fünf Jahren über
die Kritik denkt. In meinem Falle zum Beispiel, wenn ich dem Studenten sagen
muss, dass er stimmlich ungeeignet für den Lehrerberuf ist und damit den
Studenten in eine tiefe Krise stürze. Es gibt nun für ihn verschiedene
Handlungsmöglichkeiten. Er kann meine Kritik ignorieren, verdrängen und einfach
weiter studieren. Meistens kommt dann aber der große Knall im Berufseinstieg.
Oder er versucht mit viel Arbeit seine Stimme von einem guten Logopäden oder
Stimmtrainer aufbauen zu lassen oder, die dritte Möglichkeit, er entschließt
sich noch einmal von vorn zu beginnen und einen anderen Berufsweg
einzuschlagen. Die Entscheidung liegt in seiner Hand. Fakt ist, dass er, wenn
er die Kritik ignoriert, sich immer wieder daran stoßen wird, für diese Sache
kritisiert wird und die Problematik vergrößert.

Ich selbst habe für mich festgestellt, dass jede
Bauchlandung, die ich mir geleistet hab, immer für irgendetwas gut war und mich
letztendlich voran gebracht hat, solange ich mich der Herausforderung gestellt
und mich nicht der Situation ergeben habe.

Versuchen Sie doch einmal, in jedes Training hineinzugehen
mit dem bewussten Vorsatz: Ich werde Fehler machen und das ist gut so. Ich will
ja noch besser werden und nicht stehen bleiben. Das kann ungemein entspannen.



bewusstes Lernen

Allgemeines Posted on Mon, February 01, 2016 11:34:14

Hallo, jemand zu Hause?

Der Februar ist der Monat des Wintersports. Viele Menschen nutzen
die Winterferien, um ihrem Alltag zu entfliehen.

Mir scheint es manchmal, dass wir nur im Urlaub wirklich
entspannen und loslassen können – nur noch zwei Wochen, dann
fahren wir in den Urlaub! Als würde man die Zeit bis dahin gar nicht
wirklich leben und genießen können, als würde man erst im Urlaub
„richtig leben“. Und wenn wir wieder zurück sind, dann fallen
wir in ein Loch und trösten uns mit dem Gedanken, dass der nächste
Urlaub bald kommt – im besten Falle.

Warum fällt es uns so schwer, auch unseren Alltag zu genießen?
Warum können wir nur im Urlaub wirklich abspannen.

Manche Menschen wirken in ihrem Alltag wie Maschinen, die nur
funktionieren, die nur aushalten bis zum nächsten Urlaub. Dieses
„Funktionieren“ ist so selbstverständlich geworden, dass es den
Meisten gar nicht mehr auffällt. Im Gegenteil: Viele belächeln die
Menschen, die bewusster leben wollen, meditieren oder einen
Achtsamkeitskurs besuchen. Manche interpretieren das als Eingestehen
von Schwäche und Überforderung, von Nicht
-genug-Leistung-geben-können. Andere rasen von einem Termin
zum nächsten und arbeiten fleißig einen Programmpunkt nach dem
anderen auf der langen „To-do-Liste“ ab. Am Abend liegen sie dann
jedoch im Bett und stellen fest, dass sie fix und fertig sind, der
Tag an ihnen vorbei gezogen ist und sie sich trotzdem irgendwie leer
fühlen.

Auch bei meinen Studenten muss ich leider oft diese Beobachtung
machen. Sie sind zwar unheimlich emsig und bemüht alles „richtig“
zu machen, aber sie sind nicht wirklich da. Natürlich sind sie
physisch anwesend, aber in ihren Köpfen sind sie beim letzten
Referat oder bei der morgigen Prüfung. Da ich selbst das
vollgestopfte Studienprogramm hinter mir habe, kann ich mit meinen
Studenten mitfühlen. Auch ich selbst konnte erst nach dem Studium
begreifen, dass der Sinn des Lebens nicht das Abarbeiten von
Prüfungen ist. Natürlich kann ich nach außen hin sagen, dass ich
meinen Abschluss in der Tasche habe. Aber ich wünschte, ich hätte
mein Studium bewusster gelebt. Ich wünschte, ich hätte eher
verstanden, dass Abschlüsse nicht alles
bedeuten. Dass sie nichts darüber verraten, wie gut,
qualifiziert oder glücklich und erfüllt wir wirklich sind.
Letztendlich ist meine Erkenntnis, dass nur die Lebenserfahrungen,
die wir machen, wirklich zählen und diese sind weder richtig noch
falsch und lassen sich in keinen Bewertungsmaßstab einsortieren.

Jetzt denken Sie vielleicht, dass das zwar ganz schön und gut
ist, was ich hier schreibe, aber was soll das mit Stimmtraining zu
tun haben? Ich sehe in meinem Unterricht oft den Willen meiner Kunden
und Studenten alles „richtig“ machen zu wollen und möglichst
schnell Ergebnisse vorweisen zu können. Sie kommen aus ihrem Alltag
und sehen die Stimmbildung als nächsten Programmpunkt auf der
Tagesliste. Sie kommen zwar physisch in den Raum, sind aber
eigentlich noch beim vorherigen Ort oder Erlebnis des Tages. Den Kopf
voll mit anderen Dingen, wollen sie jetzt etwas Neues lernen. Das
funktioniert jedoch nicht. Solange wir es nicht schaffen, wirklich im
Moment anzukommen – und zwar nicht nur körperlich, sondern vor
allem mit unserem Geist, unseren Sinnen und Emotionen – solange
sind wir nicht wirklich anwesend. Wir haben zwar unseren Kopf
befriedigt, in dem wir sagen „Schau mal, ich war heute fleißig,
ich bin zur Sprecherziehung gegangen und habe etwas für meine Stimme
bzw. Kompetenz getan.“ Fakt ist jedoch, dass wir viel weniger
Lernen, wenn wir nicht mit all unseren Sinnen dabei sind. Was jedoch
noch viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass wir durch das
unbewusste Abarbeiten unsere Seele – so pathetisch das jetzt auch
klingen mag – nicht mitnehmen. Dadurch fühlen wir uns am Ende des
Tages emotional leer und müde. Und diese „leeren Tage“ zählen
wir ab bis zum nächsten Urlaub, bis wir wieder bewusst leben können.
Denn dort passiert uns das nicht. Da können wir sechs Stunden
Abfahrtsski betreiben und an nichts anderes denken. Wir sind am Abend
zwar körperlich erschöpft, aber glücklich und beseelt.

Jetzt sagen Sie vielleicht – na klar, da machen ich ja auch nur
Sachen, die mir Spaß machen, aber das Leben besteht nicht nur aus
Spaß. Und da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Manchmal muss man im
Leben auch Dinge tun, die unbequem sind, wo man aber trotzdem weiß,
dass sie einfach wichtig sind. Versuchen Sie es doch einmal mit dem
kleinen Wort „dürfen“ anstatt „müssen“. Ich darf
arbeiten gehen. Ich muss nicht arbeitslos sein. Ich darf die
Wohnung putzen, denn ich bin dankbar dafür, dass ich eine schöne
Wohnung habe. Und letztendlich: Ich darf mir Zeit nehmen für
mich, um mich weiterzuentwickeln.

Beobachten Sie auch ihre Gedanken. Wie oft denken Sie an Dinge,
die vergangen sind oder die noch kommen. Immer wenn Sie so denken,
dann sind Sie nicht bewusst im Moment anwesend, dann sind Sie weg. Es
mag am Anfang furchtbar anstrengend sein, immer zu schauen, woran man
eigentlich gerade denkt, aber glaube Sie mir, man kann das trainieren
und Sie werden staunen, wie lang plötzlich ein ganzer Tag dauern
kann.

Hören wir auf nur zu funktionieren! Versuchen wir mehr und
bewusster zu leben, anstatt nur zu überleben!



Gute Vorsätze und ihre Umsetzung

Allgemeines Posted on Tue, January 05, 2016 13:52:32

Gute Vorsätze und ihre Umsetzung

Ein neues Jahr ist angebrochen. Die Zeit zwischen den Jahren ist
eine gute Gelegenheit, ein Resümee zu ziehen und mit neuer Energie
ins neue Jahr zu starten. Was ist uns gut gelungen im letzten Jahr
und welche Ziele haben wir vielleicht noch nicht erreicht? Der
Jahresbeginn versorgt einen im besten Falle mit neuer Motivation, um
seine Ziele wieder mehr in Angriff zu nehmen. Doch meist stellen wir
fest, dass uns schon nach einigen Wochen der Alltag wieder einholt
und wir unsere Vorhaben schleifen lassen.

Woran liegt das?

Ein Grund sind überhöhte Vorstellungen. „In zwei Monaten bin
ich zehn Kilo leichter!“. Dieses Ziel ist nicht zu erreichen und
sorgt nur für Frustration, wenn nach zwei Wochen immer noch nichts
auf der Waage passiert ist. Viel effektiver als kurzfristige
Mammutprojekte, ist ein kontinuierliches Verfolgen realistischer
Vorhaben. Sei das nun endlich abzunehmen, der Wunsch, gelassener
durchs Leben zu gehen oder der Entschluss endlich das Stimmtraining
durchzuziehen 😉 Um es mit den Worten eines meiner bekannten
Kollegen zu sagen: „Wiederholung ist die Mutter allen Lernens“.
Eine Verbesserung, egal in welchem Bereich, hat also immer etwas mit
neu „Erlernen“ zu tun. Doch etwas in seinen Alltag zu
integrieren, erfordert meist Disziplin und – wie bereits erwähnt –
immer fortwährende Wiederholungen.

Kleine Zwischenziele, die wir feiern und für welche wir uns
selbst belohnen, sind sehr sinnvoll, um unsere Motivation aufrecht zu
erhalten. Wer schon einmal ein Instrument gelernt hat, weiß, dass
man nicht von heute auf morgen zum Profi wird. Es ist ein
langwieriger Prozess und
sehr oft erscheint es einem so, als ob man auf einem Plateau
festhängt und nicht weiter kommt. Man sieht immer nur nach oben zu
den „Stars“, den großen Künstlern und verliert manchmal die
Hoffnung, auch einmal selbst so gut sein zu können. Das stundenlange
tägliche Üben wird auch dem leidenschaftlichsten Musiker irgendwann
mal frustrieren. Meine Gesangsprofessorin sagte einmal zu mir: “Beim
Lernen und Üben müssen wir es halten, wie die Bergsteiger. Sie
wissen zwar, dass sie letztendlich den Gipfel stürmen wollen, aber
sie feiern jedes Zwischenziel, wie ein Fest. Für den Moment ist jede
noch so kleine neu erklommene Hütte das höchste Ziel und so
erklimmen sie in vielen kleinen Schritten letztendlich den Berg.“

Feiern Sie sich also öfter mal selbst, auch wenn es nach außen
hin vielleicht übertrieben erscheint. Wichtig ist, dass Sie sich
selbst für ihre Ausdauer und Disziplin ab und zu selbst belohnen und
sich auf die Schulter klopfen, dass Sie noch am Ball sind.

Seitdem ich selbstständig bin, habe ich oft das Problem, dass
viele neue und verschiedene Dinge auf mich einströmen und ich sehr
oft für mich entscheiden muss – will ich das machen oder nicht? In
einem Ein-Mann-Betrieb bleibt
jede noch so kleine Arbeit an einem selbst hängen und man muss
lernen, seine Energie bestmöglich zu verteilen. So muss ich immer
wieder abwägen, was ich wirklich will und welcher Auftrag mich
meinem Ziel näher bringt.

Ein Tipp, der mir selbst oft wieder hilft, meine Vorhaben im
wahrsten Sinne des Wortes im Blick zu behalten, ist, sich seine Ziele
zu visualisieren. Immer, wenn ich mich im Laufe der Zeit mal
verzettle und das Gefühl habe, zu viel Energie mit Kleinigkeiten zu
verlieren, schaue ich mir meine wirklichen Zielen an und kann meinen
Blick für das Wesentliche richten. Schon allein sich hinzusetzen und
einmal die wichtigsten fünf Punkte für das kommende Jahr
aufzuschreiben und – ganz wichtig – im Laufe des Jahres immer
wieder vorzuhalten, sorgt dafür, am Ball zu bleiben.

Ich wünsche Ihnen ein gesundes und vor allem erfolgreiches Jahr
2016 mit viel Motivation und Durchhaltevermögen für alle großen
und kleinen Vorhaben.



Schnupperpaket Stimmtraining

Stimmtraining Posted on Fri, November 27, 2015 09:15:35

Ja ist denn heute schon Weihnachten?

Haben Sie schon alle Geschenke für Ihre Liebsten zusammen? Wir
alle kennen wohl die leidliche Suche nach dem passenden Geschenk.
Dabei ist es oft sehr schwer, den richtigen Geschmack des Beschenkten
zu treffen. Wie wäre es denn mal mit etwas Praktischem für den
Alltag?

Verschenken Sie ein Vier-Stunden-Schnupperpaket
Stimmtraining
! Egal, ob man einfach mal schauen will, was man
mit seiner Stimme alles machen kann oder ob Sie mit konkreten
Wünschen und Zielen zu mir kommen – dieses Schnupperpaket bietet
grundsätzlich eine gute Möglichkeit, sich und seine Stimme besser
kennenzulernen. Vor allem Menschen in sprachintensiven Berufen wie
Lehrer oder Berater profitieren von einem professionellen Arbeiten an
der Stimme – scheuen sich aber vielleicht, aus Eigeninitiative
einen Stimmtrainer aufzusuchen. Auch gibt es Menschen, die in der
alltäglichen Kommunikation Probleme haben, ihre Stimme gesund und
effektiv einzusetzen. Sie werden schnell heißer und klingen
angestrengt. Ein kleiner Stimmkurs als Weihnachtsgeschenk wäre hier
die ideale Möglichkeit, zum Sprung über den eigenen Schatten zu
verhelfen.

Auch für gesangsfreudige junge Menschen, die sich noch unsicher
sind, ob sie später einmal professionell singen lernen wollen, wäre
ein Schnupperkurs eine tolle Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten
auszuprobieren und einen ersten Einblick in das Gesangsmetier zu
bekommen.

In meinem Studio in Halle heiße ich Sie herzlich willkommen. Sie
können wählen zwischen:

klassischem Gesangsunterricht


Atmung- und Entspannungstraining


Dialektabbau


Verbesserung des Stimmklangs


Kraftvoller und ausdauernder Sprechen lernen


Körpersprachentraining


Präsentieren mit Persönlichkeit

Für vier Stunden Stimmtraining im „Schnupperpaket“ zahlen Sie
unschlagbare 100 Euro. In diesen vier Stunden können wir bereits
wichtige Grundlagen für einen gesunden Umgang mit der Stimme einüben
und Ihren Ist-Stand ermitteln. Je nach Wunsch lernen Sie Übungen zu
konkreten Problemen und Tipps für das tägliche Üben daheim.

Ich freue mich auf Sie!

(Dieses Angebot gibt nur bis zum 31.12.2015)



Stimme und Ernährung

Infos zur Stimme Posted on Sat, November 21, 2015 11:21:09

Wie beeinflusst die Ernährung unsere Stimme?

Heutzutage gibt es tausend verschiedene Ratschläge zur gesunden
Ernährung. In einem Punkt sind sich jedoch die meisten
Ernährungsexperten einig: kein Fastfood und nicht zu viel Zucker.
Die Verbindung zum Fettstoffwechsel leuchtet dabei fast jedem ein,
aber was hat das mit unserer Stimme zu tun?

Die Hauptaufgabe unserer Stimmlippen ist nicht die Stimmgebung.
Primär sollen die Stimmlippen unsere unteren Atemwege, also die
Lungen und Bronchien, vor Fremdkörpern verschließen. Was sind diese
Fremdkörper? Sie ahnen es – die Nahrung. Die Luft und der
zerkleinerte Nahrungsbrei nehmen zunächst den gleichen Weg in den
Körper und trennen sich erst beim Schluckvorgang kurz vor den
Stimmlippen im Kehlkopf. Manchmal kommt es vor, dass wir nicht
rechtzeitig schlucken und die Nahrung in die Luftröhre „abbiegen“
lassen. Wir verschlucken uns. Der Körper hat für diesen Moment
einen Notfallplan parat. Wir bekommen einen starken Hustenreiz, um
den falschen Weg der Nahrung zu korrigieren. Dadurch, dass der
Nahrungsbrei aber nur weniger Zentimeter vor den Stimmlippen entlang
wandert und dieser Bereich von sehr viel Schleimhaut überzogen ist,
haben die Nahrungssäfte einen direkten Einfluss auf die Stimmlippen
und deren Schwingungsverhalten.

Je freier die Schleimhaut um unsere Stimmlippen schwingen kann,
desto besser funktioniert unsere Stimme. Sie kennen vielleicht das
Gefühl, einen Frosch im Hals sitzen zu haben. Sie haben das
Bedürfnis sich zu räuspern, um den Fremdkörper loszuwerden. Dieses
Räuspern ist auf Dauer aber sehr schädlich für die Stimme. Für
unsere empfindlichen Stimmlippen ist ein Räuspern, wie das Reiben
von Sandpapier auf nackter Haut. Besser in diesem Fall ist ein
vorsichtiges Husten, da es nur ein kurzes Aufeinanderschlagen der
Stimmlippen verursacht. Müssen wir allerdings lange und kraftvoll
husten, wie beispielsweise bei einer Erkältung, werden wir heiser.
Das starke Aufeinanderschlagen unserer Stimmlippen hat zur Folge,
dass sich die sensible Struktur nicht mehr regenerieren kann, die
Stimmlippen verlieren ihre regelmäßige Schwingung, sind stark
gerötet und geschwollen.

Die Frage ist also, welche Nahrungssäfte beeinträchtigen unsere
Stimme. Ganz vorn dabei sind vor allem sehr stark schleimende
Lebensmittel, die unseren Räusperzwang stärken, wie Milch, Jogurt,
Eis und Quark, aber auch Zucker. In Sachen Fruchtzucker scheiden sich
die Geister. Unter meinen Sängerkollegen herrscht unterschiedliche
Meinung zum Obst. Manche Sänger schwören regelrecht auf ihren Apfel
vor dem Auftritt – ich selbst vertrage Zucker jedweder Art nicht vor
dem Singen. In diesem Fall, sollte wohl jeder für sich selbst
herausfinden, inwiefern Fruchtzucker den Räusperzwang fördert. In
jedem Falle sind Milchprodukte und Industriezucker nicht förderlich
für die Stimmfunktion.

Auf der anderen Seite können Lebensmittel auch genau das
Gegenteil erzielen – sie trocknen unsere Stimmlippen aus. Dazu
gehören vor allem Koffein, Kamillen-, Pfefferminz- und Schwarztee,
aber auch Menthol. Gerade zu fatal sind Lutschbonbons mit Pfefferminz
oder Menthol, die angeblich für die Stimme gedacht sind. Das
„schöne“ kühle und freie Gefühl, was diese Art von
Lutschpastillen in unserem Mund erzeugen, trocknet unsere Stimmlippen
aus.

Zwar nicht zur Nahrung, jedoch zu Genussmitteln zählend, haben
auch Alkohol und Nikotin die gleiche ausdörrende Wirkung. Auch eine
zu trockene Luft kann unsere Stimmlippen belasten. Vermeiden Sie zu
trockene Heizungsluft und vor allem zu staubige Umgebung. Gerade für
Lehrer kann die Tafelkreide eine Ursache für Stimmprobleme sein.
Generell sollte die natürliche Schleimfunktion der Stimmlippen mit
genug Wasser gefördert werden. 2-3 Liter am Tag sind unerlässlich
für die Gesunderhaltung unserer Stimme.

Schlussendlich gibt es auch noch andere schleimhautreizende
Substanzen. Dies sind vor allem zu stark und zu scharf gewürzte
Speisen und generell zu heißes oder zu kaltes Essen. Eine nicht zu
unterschätzende Ursache für Stimmprobleme ist auch Sodbrennen.
Aufsteigende Magensäure, vor allem in der Nacht, wenn wir schlafen
und nicht richtig abschlucken, greift die Stimmlippen in besonderem
Maße an. Wenn Sie morgens das Gefühl haben, nicht Herr ihrer Stimme
zu sein und einen unschönen Geschmack im Mund haben, dann kann ein
Reflux die Ursache für ihre Stimmbeschwerden sein. Dem sollten Sie
sehr schnell nachgehen, da die aggressive Magensäure die Stimmlippen
stark angreifen kann.

Das Entstehen für Sodbrennen kann viele Ursachen haben, aber
Fastfood und zu schweres fettiges Essen vor allem am Abend sind die
Naheliegendsten. Einmal davon abgesehen, dass zu fettiges Essen
unserer ganzen Gesundheit nicht förderlich ist, sollten Sie direkt
vor Präsentationen und am Abend Abstand von diesen Nahrungsmitteln
nehmen.

Letztendlich können diese Erkenntnisse nur als das genommen
werden was sie sind – Ratschläge und Tipps. Am Ende müssen Sie für
sich selbst herausfinden, was Ihrer Stimme gut tut und was
nicht. Aber gerade in den Momenten wo es stimmlich darauf an kommt,
kann eine bewusste Ernährung sehr stimmunterstützend sein.



Erfolg des Stimmtrainings

Stimmtraining Posted on Tue, November 10, 2015 09:52:21

Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil III (III)

Stresspegel:

Ein nicht zu unterschätzender Punkt, nicht nur in der
Stimmbildung, sondern generell in der Persönlichkeitsentwicklung,
ist der Stresspegel. Unter Stress kann man vielleicht kurzfristig
sehr leistungsfähig sein, aber für eine dauerhafte Veränderung und
Festigung der Stimme ist er eher hinderlich. Ich empfehle meinen
Klienten mit dem Stimmtraining nicht erst zu beginnen, wenn der
Termin der Präsentation unmittelbar bevor steht. Denn unter
Leistungsdruck, fällt man oft in alte Gewohnheiten zurück und hat
schlicht weg nicht die Nerven, Neues auszuprobieren oder sich gar mit
der Stimme auf Experimente einzulassen.

Für das Stimmtraining sollten Sie sich Zeit nehmen, um maximal
davon profitieren zu können.

Auch die Uhrzeit des Unterrichts spielt eine Rolle für den
Lerneffekt. Legen Sie den Termin für Ihr Stimmtraining nicht ans
Ende eines langen Arbeitstages, wenn Sie schon müde sind und den
Kopf voller Dinge haben. Überlegen Sie, wann Ihr persönliches
Leistungshoch am Tag ist. Bei den meisten Menschen liegt diese Zeit
zwischen 9.00 und 12.00 Uhr bzw. zwischen 14.00 und 17.00 Uhr. Betten
Sie Ihren Unterricht in diese Zeit ein, wenn es Ihnen möglich ist.

Kontinuität des Unterrichtes:

Ein letzter Faktor für den Erfolg im Stimmtraining ist die
Kontinuität des Unterrichts. Gerade am Anfang hat man das Gefühl
auf tausend Sachen gleichzeitig achten zu müssen. Aber meine
Erfahrung zeigt, je gründlicher gerade zu Beginn gearbeitet wird,
desto schneller kommt man zu guten Ergebnissen. Ich empfehle
mindestens einmal in der Woche mit dem Stimmbildner zu trainieren und
bestenfalls jeden Tag seine Übungen zu Hause für sich zu
wiederholen.

Sind die Grundlagen gefestigt, kann auch in größeren
Wochenabständen (aller 2 bis 3 Wochen) trainiert werden. Bei meinen
Studenten mache ich oft auch die erfreuliche Beobachtung, dass sich
das Antrainierte über die Semesterpause, welche leider mit fast drei
Monaten sehr lange ist, gefestigt hat. Das Unterbewusstsein hatte
Zeit die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Und oft kommen die
Studenten mit neuem Schwung und neuen Impulsen in den Unterricht
zurück.

Zum Schluss:

Beim Stimmtraining verhält es sich leider nicht wie bei dem
Zerteilen von Holzscheiteln. Zur Erinnerung hier noch einmal
Einsteins Worte: „Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei
dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“. Wir werden in der
Stimmbildung keine handfesten Ergebnisse mit nach Hause tragen. Der
Erfolg liegt auf einer anderen Ebene.

Ich verspreche Ihnen, dass Sie sehr
viele Erfahrungen sammeln werden in Bezug auf Ihren Körper und Ihre
Stimme. Sie werden Veränderungen in Ihrer Persönlichkeit
feststellen. Mit einer stabilen und sicheren Stimme, werden Sie auch
in Ihrer Wirkung, in Ihrer Präsenz und Ihrem Auftreten stabiler und
sicherer. In jedem Falle können Sie selbstbewusster, authentischer
und überzeugender kommunizieren. Sie werden lernen, dass man nicht
nur einen Inhalt präsentiert, sondern auch die ganze Persönlichkeit,
zu welcher der Körper – und vor allem die Stimme – einen großen
Teil beitragen.



Erfolg des Stimmtrainings

Stimmtraining Posted on Fri, November 06, 2015 09:08:12

Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil II (III)

Eigenes Üben:

Jeder weiß: Ohne Fleiß kein Preis! Das ist natürlich auch im
Stimmtraining so. Für Ihr eigenes Vorankommen macht es einen
erheblichen Unterschied, ob Sie nur im Unterricht konzentriert üben
oder sich auch zu Hause Zeit für Ihre Stimme nehmen. Viele Elemente
im Stimmtraining sind ein reines Muskeltraining und somit eine
Fleißarbeit. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass die Lippen
oder die Zunge auch Muskeln sind, die man trainieren kann, wie die
Bauchmuskulatur. Dieser Punkt hat einen großen Vorteil, denn anders
als Musikalität oder eine schnelle Auffassungsgabe, die einem zum
Teil angeboren ist, hat man den eigenen Fleiß konkret in der Hand.

Ziele:

Wichtig für den Erfolg des Stimmtrainungs sind natürlich auch die gesteckten Ziele. Auch die Dauer der
Ausbildung hängt davon maßgeblich ab. Wollen Sie „nur“ Ihren
Dialekt verbessern oder Ihrer Stimme mehr Wohlklang und Tiefe
verleihen oder soll auch die Stimmkraft geschult werden. Ich habe oft
Klienten, die mit dem Ziel zu mir kommen, laut vor einem großen
Publikum zu sprechen. Oft ist die Stimme aber so versteckt, dass der
erste Schritt sein muss, die Stimme auf ein normales Maß der
Unterhaltungslautstärke zu bekommen. Erst wenn dieser Standpunkt
gefestigt ist, kann auch an der tatsächlichen Stimmkraft gearbeitet
werden, welche benötigt wird, um einen großen Raum zu füllen oder
sich über einen Geräuschpegel hinwegsetzen zu können.

Meiner Meinung nach ist die Behebung eines Dialektes auch eine
überwiegende Fleißarbeit. Wer die gelernten Artikulations- und
Geläufigkeitsübungen regelmäßig übt, kann innerhalb kürzester
Zeit große Erfolge feststellen. Die Arbeit am Stimmklang erfordert
im besonderen Maße eine hohe Sensibilität und ein gutes Gehör.
Neben den Resonanz- und Klangübungen, die im Unterricht erlernt
werden, erscheint es mir fast die schwierigere Aufgabe, seine eigene
Feinfühligkeit für seinen Körper und seinen eigenen Stimmklang zu
schulen. Je nach eigener Sensibilität kann dieser Prozess mehrere
Wochen aber auch Monate dauern.

Eine gesunde Rufstimme, auch Kraftstimme genannt, ist für mich
das „i-Tüpfelchen“ in der Stimmarbeit. Ist eine Stimme gefestigt
und gut ausgebildet, ist der Übergang meist fließend in eine
gesunde Kraftstimme. Im besten Falle ist die Stimme beim Rufen frei,
unangestrengt und mit einer guten ganzkörperlichen Beteiligung. Eine
generell selbstbewusste Grundeinstellung und körperliche Fitness
sind hierbei förderlich.

Soll zusätzlich auch an Präsentationen, Bühnen- oder
Mediensprechen gearbeitet werden, erfordert dies noch einmal einen
größeren Mehraufwand im Stimmtraining. Voraussetzung ist jedoch in
allen drei Bereichen eine gefestigte Stimme, die bereits in das
alltägliche Sprechen integriert ist.

Lehrer – Schülerverhältnis:

Die Arbeit an der Persönlichkeit erscheint mir die größte
Herausforderung im Hinblick auf die Stimme. Denn der schwierigste
Schritt ist, sich mit dem neuen Klang zu identifizieren. Es erfordert
Mut, alte Muster los zu lassen und sich für die „neue Stimme“ zu
öffnen. Ich gebe zu, dass manche Stimmübungen auch ein Stück
Überwindung kosten. Ein befreiter Klang, hat immer etwas mit
„enthemmen“ zu tun – Blockaden, die uns hemmen loszulassen. Schon
ein befreites Gähnen oder Seufzen ist in unserer Gesellschaft
unschicklich, obwohl es eigentlich ein natürlicher Körperimpuls
ist. Wunderbar kann man das an Kindern sehen. Sie gähnen einfach,
wenn ihnen danach ist. Ohnehin können Kleinkinder, die gerade das
Sprechen lernen, ein Vorbild für uns sein. Sie experimentieren
fröhlich mit ihrer Stimme, plappern vor sich hin und wiederholen
teilweise so lange Lautverbindungen, bis diese verinnerlicht sind.
Dieses Ausprobieren der Stimme soll Teil der Stimmarbeit sein. Dies
erfordert natürlich ein hohes Maß an Vertrauen zum Stimmtrainer.
Vielleicht kennen Sie das auch aus der Schule: Der Schulerfolg war
eng damit verbunden, ob man den Lehrer mochte oder nicht – wo die
Chemie gestimmt hat. Suchen Sie sich deshalb einen Trainer, dem Sie
vertrauen und vor allem, wo Sie sich trauen können.



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